Schwere Unwetter an der oberen Adria: Frau stirbt in Latisana – auch Jesolo, Eraclea und Caorle betroffen
Die Unwetterlage im Östlichen Veneto und im angrenzenden Friaul-Julisch Venetien hat sich am Donnerstag, 10. September 2026, dramatisch zugespitzt. Der Tagliamento ist nach Angaben der Einsatzkräfte über die Ufer getreten. Zwischen San Michele al Tagliamento, Latisana und Lignano kam es zu Überschwemmungen. In Latisana starb eine Frau, nachdem ihr Auto in einer Unterführung von den Wassermassen eingeschlossen worden war. Auch an der Küste zwischen Jesolo, Eraclea und Caorle laufen zahlreiche Einsätze.
Die seit Mittwochabend anhaltenden Regenfälle treffen vor allem den Osten Venetiens und Teile des benachbarten Friaul-Julisch Venetiens.
Besonders kritisch entwickelte sich die Situation entlang des Tagliamento. Nach Informationen von VOITG unter Berufung auf die Feuerwehr trat der Fluss über die Ufer. Wasser drang in Straßen und Häuser ein.
Der Schwerpunkt der Einsätze liegt derzeit unter anderem in San Michele al Tagliamento, Latisana und im Raum Lignano.
Frau stirbt in überfluteter Unterführung in Latisana
In Latisana nahm das Unwetter einen tragischen Verlauf.
Eine Frau geriet mit ihrem Auto in eine Unterführung und konnte das Fahrzeug nicht mehr verlassen, bevor es von den Wassermassen erfasst wurde.
Für sie kam jede Hilfe zu spät.
Die genauen Umstände des Unglücks werden noch geklärt. Angesichts der dynamischen Lage können sich auch einzelne Angaben zu den Ereignissen noch ändern.
Schwangere Frau aus Auto gerettet
Nur wenige Kilometer entfernt gelang den Einsatzkräften eine dramatische Rettung.
In San Michele al Tagliamento blieb eine schwangere Frau mit ihrem Fahrzeug im Wasser stecken. Feuerwehrleute konnten sie aus ihrer gefährlichen Lage befreien.
Auch in der zur Gemeinde gehörenden Ortschaft Cesarolo wird von erheblichen Überschwemmungen berichtet.
Dort und in weiteren Orten entlang des Tagliamento drang Wasser nach bisherigen Informationen teilweise in Wohnhäuser ein.
Die Einsatzkräfte arbeiten seit Stunden an zahlreichen Stellen gleichzeitig.
Rund 90 Feuerwehreinsätze im Östlichen Veneto
Die Auswirkungen beschränken sich längst nicht auf das unmittelbare Gebiet des Tagliamento.
Nach dem aktuellen Bericht laufen im Östlichen Veneto rund 90 Einsätze der Feuerwehr.
Betroffen sind unter anderem:
San Donà di Piave, Eraclea, Caorle, San Giorgio di Livenza und San Michele al Tagliamento.
Auch an der Küste zwischen Jesolo, Eraclea und Caorle gibt es Probleme.
Neben Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern beschäftigen umgestürzte Bäume, Wasserschäden und die Auswirkungen des starken Wetters die Einsatzkräfte.
An der Küste kommen zusätzlich starker Wellengang und Sturmfluten beziehungsweise Mareggiate hinzu.
Auch Jesolo von der Unwetterlage betroffen
Für Urlauber und Einwohner in Jesolo ist die Lage deshalb ebenfalls relevant.
Die stärksten Auswirkungen werden zwar derzeit weiter östlich gemeldet, doch auch im Bereich von Jesolo laufen nach dem vorliegenden Einsatzbericht Hilfsmaßnahmen.
Die Wetterlage hatte sich bereits im Vorfeld deutlich angekündigt.
Die regionale Zivilschutzbehörde Venetiens warnte am Mittwoch vor teilweise intensiven und lokal sehr ergiebigen Regenfällen. Besonders betroffen sein könnten die zentralen und östlichen Ebenen sowie die Küstengebiete. Für Teile Venetiens galt eine orange Vorwarnstufe für Gewitter und hydrogeologische Risiken.
Gelbe Hochwasserwarnung auch für das Sile-Gebiet
Für Jesolo besonders wichtig: Die Zivilschutzbehörde hatte zusätzlich eine gelbe hydraulische Warnung für das Einzugsgebiet des Sile ausgesprochen.
Sie betrifft die Gebiete F1 und F2, also Teile der zentral-östlichen Ebene und der zentral-östlichen Küste.
Der Sile mündet unmittelbar westlich von Jesolo in die Adria und bildet im Bereich des Faro die Grenze zu Cavallino-Treporti.
Die Warnung bedeutet nicht automatisch, dass in Jesolo eine Überschwemmung unmittelbar bevorsteht. Sie zeigt jedoch, dass neben Starkregen und Gewittern auch die Entwicklung der Wasserstände beobachtet werden muss.
Pumpen, Taucher und Hubschrauber im Einsatz
Die Feuerwehren arbeiten nach den vorliegenden Informationen mit Hochdruck.
Mit leistungsfähigen Pumpen werden Keller, Garagen und andere überflutete Bereiche leergepumpt.
Zur Unterstützung der lokalen Mannschaften wurden zusätzliche Kräfte aus Pordenone und Triest angefordert.
Auch Taucher stehen bereit.
Zusätzlich kommt der Feuerwehrhubschrauber Drago des Flugdienstes aus Venedig zum Einsatz. Er überfliegt besonders schwer betroffene Gebiete und unterstützt die Rettungsmaßnahmen.
Die Tatsache, dass Kräfte aus mehreren Provinzen und Regionen zusammengezogen werden, zeigt das Ausmaß der aktuellen Einsatzlage.
Tagliamento verbindet zwei besonders betroffene Regionen
Der Tagliamento spielt bei dieser Wetterlage eine besondere Rolle.
Der Fluss erreicht die Adria zwischen Bibione und Lignano Sabbiadoro und bildet in seinem Unterlauf zugleich die Grenze zwischen Veneto und Friaul-Julisch Venetien.
Steigt der Wasserstand stark an, können deshalb Orte auf beiden Seiten gleichzeitig betroffen sein.
San Michele al Tagliamento liegt auf der venezianischen Seite, Latisana auf der friaulischen Seite.
Entsprechend arbeiten die Einsatzorganisationen beider Regionen derzeit parallel.
Wetter bleibt am Donnerstag kritisch
Eine schnelle Entwarnung gibt es für Donnerstag zunächst nicht.
ARPAV aktualisierte seine Prognose für die venezianische Küste am Donnerstagmorgen um 9 Uhr.
Für die nördliche Küste wurden am Vormittag Regen, Schauer und Gewitter bei einer Niederschlagswahrscheinlichkeit von 80 Prozent erwartet. Für den Nachmittag und Abend stieg die Wahrscheinlichkeit sogar auf 90 Prozent. Gleichzeitig weht mäßiger Wind aus Nordost und die Adria wird zunehmend bewegt.
Die Behörden hatten bereits zuvor darauf hingewiesen, dass einzelne Gewitter intensiv ausfallen und große Regenmengen bringen können.
Damit kann auch nach einer vorübergehenden Wetterberuhigung noch keine generelle Entwarnung gegeben werden.
Freitag deutliche Entspannung – aber noch nicht völlig trocken
Für Freitag sieht die Entwicklung bereits besser aus.
ARPAV erwartet an der nördlichen Küste eine Mischung aus Wolken und Auflockerungen.
Am Freitagvormittag liegt die Wahrscheinlichkeit für weitere Schauer oder Gewitter allerdings noch bei 70 Prozent. Am Nachmittag sinkt sie nach aktuellem Stand auf etwa 40 Prozent.
Auch die Zivilschutzbehörde Venetiens erwartet ab Freitag eine deutliche Abnahme der Instabilität. Größere Unwetterereignisse werden anschließend erheblich unwahrscheinlicher.
Das dürfte auch für die vielen Besucher wichtig sein, die wegen der Jesolo Air Show am Freitag und Samstag in die Region kommen.
Gute Aussichten für Samstag und die Jesolo Air Show
Nach aktuellem ARPAV-Stand verbessert sich das Wetter gerade rechtzeitig für das Wochenende.
Für Samstag, 12. September, werden an den venezianischen Stränden Wolken und sonnige Abschnitte erwartet. Die Wahrscheinlichkeit für lokale Schauer oder einzelne Gewitter liegt derzeit nur noch bei rund 20 Prozent. Für Sonntag gilt eine ähnliche Prognose.
Für die Jesolo Air Show ist das zunächst eine positive Entwicklung.
Trotzdem bleibt bei einer Flugveranstaltung das tatsächliche Wetter unmittelbar vor Beginn entscheidend. Wind, Wolkenuntergrenze, Sicht und mögliche Gewitterzellen können auch bei grundsätzlich guter Prognose Einfluss auf einzelne Programmpunkte nehmen.
Vorsicht vor überfluteten Unterführungen
Der tödliche Unfall in Latisana zeigt zugleich eine der größten Gefahren bei Starkregen.
Überflutete Unterführungen sollten niemals mit dem Auto durchfahren werden.
Von außen lässt sich kaum beurteilen, wie tief das Wasser tatsächlich ist. Bereits vergleichsweise geringe Wassertiefen können Fahrzeuge manövrierunfähig machen. Steigt das Wasser weiter, kann sich eine vermeintlich kurze Durchfahrt innerhalb weniger Augenblicke in eine lebensgefährliche Falle verwandeln.
Auch Absperrungen und Anweisungen von Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz sollten unbedingt beachtet werden.
Situation bleibt dynamisch
Am Donnerstagmittag lässt sich das gesamte Ausmaß des Unwetters noch nicht abschließend beurteilen.
Feuerwehr, Zivilschutz und weitere Rettungsorganisationen sind weiterhin im Einsatz. Vor allem die Entwicklung an den Flüssen und in bereits überfluteten Gebieten muss weiter beobachtet werden.
Für das Östliche Venetien ist die Lage besonders ernst, weil gleichzeitig mehrere Faktoren zusammenkommen: starker Regen, hohe Wasserstände, lokale Überschwemmungen und eine unruhige Adria.
Die schwersten Folgen sind bislang aus dem Gebiet zwischen San Michele al Tagliamento und Latisana bekannt. Doch auch entlang der venezianischen Küste von Jesolo über Eraclea bis Caorle sind Einsatzkräfte gefordert.
Stand: 10. September 2026, ca. 12 Uhr. Aufgrund der laufenden Unwetterlage kann sich die Situation kurzfristig verändern.
Mein Name ist Christoph Thür. Ich bin gebürtiger Salzburger und kenne seit knapp 40 Jahren die Region Oberitalien bestens. Seit knapp 15 Jahren betreibe ich mehrere Online-Portale im Adria-Raum und bin Herausgeber vom Jesolo Magazin. Von unserer Mediengruppe Adria Magazin GmbH bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer.
Unser Jesolo Ticket Portal: JESOLO TICKET
Unser Venedig Ticket Portal: VENEDIG TICKET



