Nach Jahren der MOSE-Baustelle: Punta Sabbioni bekommt 22.000 Quadratmeter großen neuen Park
Wo jahrelang eine Großbaustelle für das Hochwasserschutzsystem MOSE das Bild von Punta Sabbioni prägte, entsteht nun ein völlig neuer Abschnitt an der Lagune. Am heutigen Samstag, 7. November 2026, wird der neu gestaltete Grünbereich am Lungomare Dante Alighieri offiziell an die Gemeinde Cavallino-Treporti übergeben. Rund 1,6 Millionen Euro wurden in die erste Phase investiert. Entstanden ist ein etwa 22.000 Quadratmeter großer Park mit Bäumen, Sträuchern, Spazierwegen, Radverbindung und direktem Bezug zur Lagune. Für Punta Sabbioni endet damit symbolisch ein langes Kapitel.
Wer Punta Sabbioni seit vielen Jahren kennt, erinnert sich noch gut daran, wie stark die Baustellen des MOSE das Gebiet entlang des Lungomare Dante Alighieri verändert hatten.
Große Flächen waren für die Arbeiten am venezianischen Hochwasserschutzsystem beansprucht. Dort wurden unter anderem die gewaltigen Betonelemente für das MOSE hergestellt.
Für Anwohner bedeutete das über viele Jahre Baustellenverkehr, abgesperrte Bereiche und den Verlust eines direkten Zugangs zur Lagunenlandschaft.
Nun kehrt ein großer Teil dieses Gebietes endgültig zur Bevölkerung zurück.
Offizielle Übergabe am 7. November
Am Samstag, 7. November, wird die neu gestaltete Grünfläche offiziell an Cavallino-Treporti übergeben.
Die Zeremonie beginnt im Rahmen der Veranstaltungen zum 60. Jahrestag der „Acqua Granda“, jener historischen Hochwasserkatastrophe, die Venedig und die Lagune im November 1966 schwer getroffen hatte.
Ab 10 Uhr ist zunächst eine Veranstaltung im Centro Civico von Ca’ Savio vorgesehen. Vertreter verschiedener Behörden, darunter Verantwortliche für die Lagune, öffentliche Bauvorhaben und den Zivilschutz, beschäftigen sich dort mit dem Hochwasserschutz und dessen Bedeutung für das Gebiet.
Anschließend verlagert sich die Veranstaltung zum Lungomare Dante Alighieri in Punta Sabbioni, wo der neue Park offiziell übergeben wird.
Aus einer Industriefläche wird ein großer Grünraum
Die Veränderung könnte kaum größer sein.
Noch vor wenigen Jahren war das Areal Teil der technischen Infrastruktur rund um die MOSE-Baustelle.
Heute stehen dort Bäume und Sträucher.
Die Gemeinde bezifferte die neu gestaltete Grünfläche bereits im Frühjahr auf rund 22.000 Quadratmeter.
Nach den offiziellen Projektangaben wurden mehr als 3.000 krautige Pflanzen, etwa 1.000 Sträucher und rund 250 Bäume gepflanzt.
Hinzu kommen große Rasenflächen sowie Wege für Fußgänger und Radfahrer.
Damit entsteht nicht einfach nur ein kleiner Stadtpark.
Das Projekt soll vielmehr einen ganzen Abschnitt des Lungomare Dante Alighieri wieder mit der Lagune verbinden.
20.000 Quadratmeter Rasen und 250 neue Bäume
Die Dimension des Projekts zeigt sich besonders bei den Grünflächen.
Rund 20.000 Quadratmeter Rasenfläche sind vorgesehen.
Dazu kommen 250 etwa dreieinhalb Meter hohe Bäume, ungefähr 1.000 Sträucher und tausende standortgerechte Pflanzen.
Bei der Auswahl wurde auch auf Pflanzen geachtet, die zu den besonderen Bedingungen des Küstengebietes passen.
Damit soll eine Grünanlage entstehen, die sich nicht wie ein künstlicher Fremdkörper anfühlt, sondern in die Landschaft zwischen Meer, Lagune und Küstenvegetation integriert.
Gerade für Punta Sabbioni ist das von Bedeutung.
Der Ort ist nicht nur einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Fahrten nach Venedig, sondern gleichzeitig Teil einer außergewöhnlich sensiblen Lagunen- und Küstenlandschaft.
Spazierweg direkt an der Lagune
Besonders attraktiv dürfte der neue Bereich für Spaziergänger und Radfahrer werden.
Zum Projekt gehören ein Fußweg sowie eine Radverbindung mit Blick auf die Lagune.
Dazu kommen Sitzmöglichkeiten und weitere Elemente der Stadtmöblierung.
Geplant beziehungsweise umgesetzt wurden außerdem drei Beobachtungspunkte sowie Informationselemente, über die Besucher mehr über Landschaft und Natur erfahren können.
Damit erhält der Lungomare eine völlig neue Funktion.
Er wird nicht mehr ausschließlich als Verkehrsverbindung wahrgenommen, sondern zunehmend als Aufenthalts- und Freizeitbereich.
Jahrelang vom MOSE geprägt
Für die Bevölkerung besitzt die Übergabe eine besondere Bedeutung.
Bürgermeisterin Roberta Nesto erinnert daran, dass das MOSE heute zwar einen entscheidenden Beitrag zum Schutz Venedigs und der Lagune vor extremen Hochwasserereignissen leistet.
Gleichzeitig habe Cavallino-Treporti während der Bauphase einen erheblichen Preis bezahlt.
Vor allem Punta Sabbioni war über Jahre unmittelbar von den Arbeiten betroffen.
Die Baustellen entlang des Lungomare Dante Alighieri veränderten das Landschaftsbild grundlegend und nahmen der Bevölkerung Flächen, die zuvor einen direkten Bezug zur Lagune hatten.
Die Rückgabe des Gebietes ist deshalb mehr als die Eröffnung eines Parks.
Sie markiert den Übergang von einer jahrzehntelang von Großbaustellen geprägten Phase zu einer neuen Nutzung.
Hier wurden Teile des MOSE gebaut
Die Bedeutung des Areals lässt sich nur verstehen, wenn man seine Vergangenheit kennt.
Auf den ehemaligen Baustellenflächen wurden große Elemente des MOSE-Projekts hergestellt.
Die Gemeinde selbst erinnerte bei einer öffentlichen Baustellenbesichtigung im März 2026 daran, dass in diesem Bereich die sogenannten Cassoni, also massive Betonkonstruktionen für das Hochwasserschutzsystem, gefertigt wurden.
Heute befindet sich dort der neue Grünbereich.
Gerade dieser Kontrast macht die Transformation außergewöhnlich:
Aus einer für eines der größten Infrastrukturprojekte Italiens genutzten Baustellenfläche wird ein öffentlicher Park.
Rund 1,6 Millionen Euro für die erste Phase
Für diesen ersten Abschnitt stellte das zuständige Provveditorato alle Opere Pubbliche rund 1,6 Millionen Euro bereit.
Das Geld stammt aus den Ausgleichsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem MOSE.
Solche sogenannten Kompensationsmaßnahmen sollen Gebiete aufwerten, die während der Errichtung großer Infrastrukturprojekte besonderen Belastungen ausgesetzt waren.
Punta Sabbioni gehört eindeutig dazu.
Die nun abgeschlossene Grünanlage ist daher gewissermaßen eine landschaftliche Entschädigung für die jahrzehntelange Beanspruchung des Gebietes.
Insgesamt geht es um wesentlich mehr als 1,6 Millionen Euro
Der neue Park ist allerdings nur ein Teil eines größeren Projekts.
Für die Kompensationsmaßnahmen am Lungomare Dante Alighieri wurden insgesamt rund 5,5 Millionen Euro vorgesehen.
Neben der Grünanlage geht es unter anderem um weitere Abschnitte der Promenade, sichere Verkehrswege, Radverbindungen, Beleuchtung und die allgemeine Aufwertung des öffentlichen Raumes.
Zusätzlich sind weitere Infrastrukturprojekte in Punta Sabbioni geplant oder bereits in Umsetzung.
Die Gemeinde spricht für die gesamte Entwicklung der Fraktion sogar von Investitionen in einer Größenordnung von rund 33 Millionen Euro, wenn kommunale, öffentliche und private Projekte zusammengerechnet werden.
Damit zählt Punta Sabbioni derzeit zu den Gebieten von Cavallino-Treporti, die sich besonders stark verändern.
Auch das Problem mit Überschwemmungen soll gelöst werden
Parallel zur landschaftlichen Aufwertung gibt es ein weiteres großes Thema: die Entwässerung des Lungomare Dante Alighieri.
Immer wieder kam es bei starken Niederschlägen zu Problemen und Überflutungen.
Dafür wurde ein weiteres Projekt im Umfang von rund 2,9 Millionen Euro vorgesehen.
Geplant ist eine neue Regenwasserkanalisation auf einer Länge von rund 1.200 Metern.
Diese Maßnahme gehört zwar nicht unmittelbar zum neuen Park, ist aber Teil der umfassenden Erneuerung des gesamten Gebietes.
Punta Sabbioni soll sein Gesicht verändern
Die Gemeinde verfolgt damit eine langfristige Strategie.
Der Bereich zwischen Terminal, Lungomare Dante Alighieri, Lagune und den angrenzenden Landschaftsräumen soll vollständig neu geordnet werden.
Punta Sabbioni kennt fast jeder Urlauber an der oberen Adria als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Venedig.
Täglich kommen in der Saison tausende Besucher mit Auto, Bus oder Fahrrad hierher, stellen ihr Fahrzeug ab und wechseln auf die Schiffe Richtung Venedig.
Für viele war Punta Sabbioni deshalb bislang vor allem ein Durchgangsort.
Das soll sich ändern.
Vom Verkehrsknotenpunkt zum Aufenthaltsort
Mit Grünanlagen, neuen Wegen und einer besseren Verbindung zur Lagune soll Punta Sabbioni künftig auch selbst attraktiver werden.
Das ist strategisch interessant.
Denn die Lage besitzt enormes Potenzial.
Auf der einen Seite befinden sich Strand und Adriaküste, auf der anderen Seite öffnet sich die Lagune von Venedig.
Dazwischen verlaufen Radwege, landwirtschaftlich geprägte Flächen und historische Verbindungen.
Der neue Park kann dazu beitragen, diese unterschiedlichen Bereiche stärker miteinander zu verbinden.
Interessant auch für Urlauber
Die Neugestaltung richtet sich keineswegs ausschließlich an die Einwohner.
Auch für Urlauber in Cavallino-Treporti und Jesolo entsteht ein neues Ziel.
Wer mit dem Fahrrad nach Punta Sabbioni fährt, kann den Bereich künftig stärker in eine Tour einbinden.
Ebenso bietet sich ein Spaziergang entlang der Lagune an, beispielsweise vor oder nach einer Fahrt nach Venedig.
Der neue Grünraum könnte damit ein weiterer Baustein für jene Form des Tourismus werden, die Cavallino-Treporti zunehmend fördern möchte:
Urlauber sollen nicht nur Campingplatz und Strand erleben, sondern auch Landschaft, Lagune, Geschichte und Natur entdecken.
Ein symbolischer Zeitpunkt
Dass die offizielle Übergabe ausgerechnet im Rahmen des 60. Jahrestages der Acqua Granda stattfindet, besitzt eine besondere Symbolik.
Die große Flut von 1966 gehört zu den einschneidendsten Ereignissen in der jüngeren Geschichte Venedigs.
Das MOSE entstand Jahrzehnte später auch als Antwort auf die immer wiederkehrende Bedrohung durch extreme Hochwasserstände.
Heute schützt das System Venedig zunehmend regelmäßig vor besonders hohen Wasserständen.
In Punta Sabbioni schließt sich nun gewissermaßen ein Kreis.
Ein Gebiet, das jahrelang für den Bau dieses Hochwasserschutzes benötigt wurde, wird wieder zu einem öffentlichen Landschaftsraum.
Bürgermeisterin spricht von einem langen Weg
Roberta Nesto bezeichnet den Prozess als langen Weg.
Die Baustellen hätten Punta Sabbioni tief geprägt und der Gemeinschaft wertvollen Raum entzogen.
Nun gehe es darum, einen regenerierten Abschnitt des Lungomare zurückzugeben.
Gleichzeitig macht sie deutlich, dass die heutige Übergabe nicht das Ende der Entwicklung darstellt.
Die Aufwertung von Punta Sabbioni soll in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.
Ziel sei, den gesamten Bereich an der Lagune wieder stärker mit Leben zu erfüllen.
Noch weitere Projekte stehen an
Der neue Park ist deshalb eher ein sichtbarer Anfang als ein Schlusspunkt.
Neben den Arbeiten entlang des Lungomare werden auch Terminal und Verkehrsinfrastruktur neu gestaltet.
Die Gemeinde plant langfristig eine bessere Verbindung zwischen dem Ankunftsbereich der Schiffe, den öffentlichen Verkehrsangeboten, Radwegen und den umliegenden Ortsteilen.
Dazu kommen weitere Grün- und Freiflächen.
Die strategischen Planungen sehen den Lungomare Dante Alighieri ausdrücklich als Teil eines Lagunen-Waterfronts, der Punta Sabbioni langfristig vom reinen Verkehrsknotenpunkt zu einem attraktiveren öffentlichen Raum entwickeln soll.
Ein Stück Punta Sabbioni kommt zurück
Für Einwohner, die die Entwicklung seit Beginn der MOSE-Baustellen miterlebt haben, dürfte der heutige Tag jedoch vor allem emotional sein.
Wo über viele Jahre Beton, Baumaschinen und abgesperrte Flächen dominierten, wächst heute wieder Grün.
Menschen können dort spazieren, mit dem Fahrrad fahren oder einfach auf die Lagune blicken.
Damit erhält Punta Sabbioni einen Teil jenes Landschaftsraumes zurück, den die Großbaustelle lange in Anspruch genommen hatte.
Und genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Projekts.
Es geht nicht nur um 250 Bäume, neue Wege oder 1,6 Millionen Euro Investition.
Es geht darum, den Zugang zur Lagune wieder Teil des täglichen Lebens in Punta Sabbioni werden zu lassen.
Nach Jahrzehnten der MOSE-Baustellen beginnt am Lungomare Dante Alighieri damit sichtbar ein neues Kapitel.
Stand: 7. November 2026
Mein Name ist Christoph Thür. Ich bin gebürtiger Salzburger und kenne seit knapp 40 Jahren die Region Oberitalien bestens. Seit knapp 15 Jahren betreibe ich mehrere Online-Portale im Adria-Raum und bin Herausgeber vom Jesolo Magazin. Von unserer Mediengruppe Adria Magazin GmbH bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer.
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