In Jesolo spricht gerade jeder über ein Thema: die neue Aufenthaltssteuer. Sie wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines Detail, doch sie beeinflusst viele Entscheidungen im Hintergrund. Nach sieben Jahren ohne jede Änderung legt die Stadtverwaltung ein neues Modell vor. Bürgermeister Christofer De Zotti erklärt im Gemeinderat klar und ohne Umschweife, warum er diesen Schritt für notwendig hält. Er will die städtischen Dienste stabil halten und keine zusätzlichen Belastungen für die Einwohner schaffen. Schulkantinen, Schulbusse, Ferienlager und Sportanlagen behalten ihre Tarife. Genau deshalb rückt die Steuer in den Mittelpunkt.
Die Saison dehnt sich längst über den Sommer hinaus. Jesolo lockt im April und Oktober immer mehr Besucher an. Die Stadt reagiert darauf und erweitert den Zeitraum der Steuer. Gleichzeitig steigen die Tarife moderat. Fünf-Sterne-Hotels verlangen künftig 4,20 Euro pro Nacht, also etwas mehr als bisher. Vier und drei Sterne folgen im gleichen Stil. Auch bei Campingplätze, Agriturismen, B&B, Marina Resorts und touristische Vermietungen werden die Preise der Kurtaxe moderat erhöht. Die größten Sprünge betreffen die Vermietungen von Ferienwohnungen, die auf 1,80 Euro steigen.
Mitten in diese Diskussion schaltet sich die Associazione Jesolana Albergatori ein. Ihr Präsident, Pierfrancesco Contarini, beschreibt die Lage aus Sicht der Hoteliers. Er spricht offen über ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Die Branche kämpft mit unsicheren Perspektiven, steigenden Kosten, geopolitischen Spannungen und klimatischen Einflüssen. Familien achten mehr auf ihr Budget und entscheiden vorsichtiger. Contarini erzählt, wie die AJA deshalb früh darauf drängte, die Erhöhungen nicht zu überziehen. Seine Worte klingen erleichtert, denn die Stadt ist auf viele Vorschläge eingegangen.
Die AJA begrüßt vor allem die neue Struktur des Systems. Jede Art von Unterkunft soll einen Beitrag leisten, der dem tatsächlichen Anteil an den Übernachtungen entspricht. Hotels bewegen sich im Schnitt bei einer Erhöhung von rund 15 Prozent. Die außerhoteligen Strukturen holen dagegen einen deutlichen Sprung nach. Die Vermietungen steigen um 80 Prozent und nähern sich damit dem Markt an. Aus Sicht der AJA bildet das Bild der Jesolaner Beherbergungslandschaft damit endlich die Realität ab.
Contarini denkt aber weiter. Er fordert einen runden Tisch, an dem Stadt und Vertreter der Tourismuswirtschaft gemeinsam planen. An diesem runden Tisch soll die Verwendung der Einnahmen besprochen werden, klare Prioritäten gesetzt und Begleitmaßnahmen für Projekte für die Weiterentwicklung der Destination entwickelt werden. Marketing, Innovation, Stadtbild, Servicequalität – all das will er mit einer gemeinsamen Strategie stärken.
Zum Schluss richtet er den Blick auf ein Thema, über das man in Jesolo noch nicht final entscheidet: die vielen Tagesbesucher. Sie füllen die Stadt, nutzen die Infrastruktur und verursachen Kosten, zahlen aber bisher keinen Beitrag. Contarini wünscht sich eine sachliche Diskussion über mögliche Modelle, die auch diese Gruppe einbezieht. Er betont, dass es nicht um neue Hürden geht, sondern um ein faires Gleichgewicht. Die Destination soll stark bleiben, und alle sollen ihren Teil dazu leisten.
Im Dezember liegt das Gesamtpaket im Gemeinderat auf dem Tisch. Die Stadt steht also vor wichtigen Entscheidungen – und Jesolo verfolgt die Debatte mit großem Interesse. Über den endgültigen Beschluss werden wir ausführlich berichten.


